Eisenhüttenverein Mägdesprung Carl Bischof e.V.
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Die Bedeutung der Eisenhütten bei der industriellen Entwicklung in Deutschland

Ende des 18. Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelten sich in Deutschland die Eisenhütten zu Zentren der industriellen, sozialen und sogar der kulturellen Entwicklung. Diese Entwicklung hatte vorher schon in England begonnen. Teilweise begann mit der Gründung von Eisenhütten die Industrialisierung. So beispielsweise im 18. Jahrhundert im preußischen Schlesien. 1827 war die Gründung der Carlshütte, die vor den Toren Rendsburgs entstand, der Auftakt für die Industrialisierung des bis dahin rein agrarischen Holsteins. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert war industrielle Entwicklung gleichbedeutend mit Eisenverarbeitung. Viele Gegenstände des alltäglichen Lebens, der Landwirtschaft und natürlich der Militärtechnik wurden in Gusseisen hergestellt. Dampfmaschinen, die zu Ende des 18. Jahrhunderts zunehmend die Wasserkraft ersetzten, waren überwiegend aus Gusseisen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Eisen die Grundvoraussetzung für den beginnenden Siegeszug der Eisenbahn und des Autos. Die günstige Verfügbarkeit des Eisens und seine fast unbegrenzte Einsatzfähigkeit kamen dem Zeitgeist des Biedermeiers entgegen, der durch Sparsamkeit und Beständigkeit, aber auch durch Vielfalt der Formen und des künstlerischen Gestaltungsbedürfnisses geprägt war. Gusseisen setzte sich immer mehr in der Kunst durch. Es wurde bestimmend für die Gestaltung des öffentlichen Raumes und für das Repräsentationsbedürfnis des, nach dem Niedergang des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und nach Abschüttlung des Napoleonischen Jochs, restaurierten Deutschlands. Dies wurde unterstützt durch die breite Bewegung "Gold gab ich für Eisen" in den Befreiungskriegen 1813 bis 1815. Auch der strengen Kühle des beginnenden Klassizismus kam der Eisenguss mit seinem farblosen Schwarz entgegen.

Gießhalle in Sayn (Rheinland-Pfalz)

Führend waren zunächst die bekannten drei Königlich Preußischen Eisenhütten. Zuerst die Eisenhütte in Gleiwitz, die auf lange Erfahrungen in Schlesien aufbauen konnte, dann die 1805 gegründete Eisengießerei Berlin und schließlich die Hütte Sayn bei Koblenz, die 1815 mit den Rheinlanden an Preußen kam und dadurch zu wirtschaftlicher Größe erwuchs. 1824 wurde dort die erste gusseiserne Gießhalle in Europa gebaut, die für den damaligen Industriebau dieser Art beispielgebend wurde. Für die künstlerische Entwicklung des Eisengusses gab besonders die Eisengießerei Berlin Impulse. Bedeutende Künstler wie Karl Friedrich Schinkel (1781 – 1841), Christian Daniel Rauch (1777 – 1857), Johann Gottfried Schadow (1764 – 1850), August Kiss (1802 – 1865) u.a. schufen Skulpturen, Denkmale, Straßenlaternen, Säulen, Zäune, Reliefs Schmuck, Orden und vieles andere als Vorlagen für den künstlerischen Eisenguss. Die Modelle wurden zwischen den preußischen Hütten ausgetauscht, fanden aber auch anfangs Eingang in andere Eisenhütten, bis sich der Musterschutz durchsetzen konnte. Aber auch an anderen Eisenhütten wirkten bedeutende Künstler, wie Heinrich Zumpft (1822 - 1835 an der Hütte) in der Eisenhütte Sayn und schließlich Johann Heinrich Kurek (1821 – 1889), Wilhelm Elster (1840 – 1912) und sein Sohn Wilhelm Elster jun. (1869 – 1916) in der Eisenhütte Mägdesprung. Sie alle prägten durch ihr Schaffen ein ganzes Jahrhundert. Einige der bedeutenderen Hütten bildeten eigene Gemeinwesen mit Schule, Kirche, Geschäften und Wohnungen für die Hüttenarbeiter.

Die schon erwähnte Carlshütte in Büdelsdorf bei Rendsburg baute 1840 eine eigene Arbeitersiedlung. Schon kurz nach der Gründung der Hütte wurde eine eigene Krankenkasse und eine Pensionskasse eingeführt. Ihre Satzungen waren so gut, dass sie dann später für die Satzung der staatlichen deutschen Sozialversicherung verwendet wurden.

Eines der markantesten Gemeinwesen entstand in der Eisenhütte Mägdesprung, das sich stetig vergrößerte. Gebunden an die Wasserkraft entstanden an den Ufern der Selke die Hütte mit der Gießerei, sowie Frisch- und Blau- und Stahlhämmer auf einer Länge von etwa 5 km. An den Hängen entstanden Arbeiterwohnungen, Schule und Kirche. Während andere Eisenhütten am Rande der Städte oder Ansiedlungen entstanden und im Laufe der Zeit von diesen aufgenommen wurden und mehr oder weniger verschwanden, entstand das in sich geschlossene Gemeinwesen der Eisenhütte Mägdesprung völlig isoliert und ist heute noch als solches erkennbar und größtenteils erhalten. Damit dürfte es in Deutschland einzigartig sein. Ein einziges Gebäude, das zu DDR-Zeiten entstandene Gebäude des Konsums, wurde im 20. Jahrhundert gebaut, alle anderen stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die Schule, die 1905 die alte, zu klein gewordene Schule ersetzte, ist allerdings auch im 20 Jahrhundert erbaut worden, passt sich aber im Baustil den anderen Hüttengebäuden an. Die Eisenhütte Mägedesprung ist eingebettet in das landschaftlich so reizvolle Selketal. Ilse, Bode und Selke haben im Osten des Harzes drei markante Täler geschaffen, von denen das Selketal das lieblichste ist, besungen von den Dichtern der Romantik wie Heine, Andersen, Eichendorf u.a. Mägdesprung ist, wie auch Alexisbad und Silberhütte, die weiter oben im Selketal liegen, ein Ortsteil der Stadt Harzgerode, die oberhalb des Selketals auf der Mansfelder Hochfläche liegt und das "Zentrum des Unterharzes" bildet. In kaum einer anderen Region in Deutschland gibt es eine solche Vielfalt von Naturschönheiten, geschützten Biotopen, nennenswerten Geotopen und historischen Sehenswürdigkeiten. Geschichtsträchtige Burgen, wie die Burg Anhalt und die Burg Falkenstein liegen im Selketal. Industriegeschichte per exelance wurde hier geschrieben: Der historische Bergbau, das Hüttenwesen, die Gießereitechnik, erst der Eisenguss, später der Aluminiumguss und die Pyrotechnik prägten die Region. Eine der schönsten deutschen Schmalspurbahnen, die Selketalbahn, unterstützte am Ende des 19. Jahrhunderts die industrielle Entwicklung im Tal und ist heute eine touristische Attraktion, deren Bedeutung durch die 2006 erfolgte Einbeziehung der Weltkulturerbestadt Quedlinburg in das Streckennetz weiter gestiegen ist.

Die Geschichte der Mägdesprunger Eisenhütte

Eine der ältesten Ansichten, gemalt auf einen Porzellanteller, zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit einer der Mühlen, die damals erbaut wurden.

Nachdem 1635 das kleine Fürstentum Anhalt-Bernburg-Harzgerode durch Erbteilung entstanden war, wollte der damalige Fürst Friedrich (1613 – 1670) seinem Ländchen eine merkantilistische Wirtschaft geben, um auch die Folgen des Dreißigjährigen Krieges zu überwinden. Der Bau einer Eisenhütte in Mägdesprung schien geboten, zumal die Voraussetzungen dafür, wie das Vorhandensein von Eisenerz in der Nähe, die Wasserkraft der Selke, das Brennholz bzw. die Holzkohle aus den Wäldern, das kaufmännische Wissen und die finanzielle Stärke des Quedlinburger Kaufmanns Johann Heydtfeld, der an einem solchen Unternehmen interessiert war, gegeben waren. So kam es am 9.11.1646 zu einem Vertrag zwischen Fürst und Kaufmann, der zur Gründung der "Eisenhütte unterm Mägdesprung" führte1. Der wirtschaftliche Erfolg stellte sich aber nicht ein, sodass Heydtfeld schon 1652 die Hütte einer Gewerkschaft überließ, die sich um die Hebung des anhaltinischen Bergbaus bemühte. Da auch deren Bemühungen erfolglos blieben, erwarb schließlich 1657 Fürst Friedrich die Hütte zum Selbstkostenpreis und vergab sie als Erbzinslehen an Friedrich Christian Arens, der Eisenfactor in Sorge war. Dieser errichtete etwa 1662 den ersten Hochofen. Nach dem Tode von Arens ging die Hütte 1690 unter seinem Sohn in Konkurs. 1696 ersteigerte der Kaiserliche Rat Johann Kaspar Kaufmann aus Kelbra die Hütte als Erbzinslehen für 3500 Taler.

Auch dieser ging in Konkurs und die Hütte kam 1710 für 4700 Taler an Fürst Viktor Amadeus von Anhalt-Bernburg, nachdem 1709 das kleine Fürstentum Harzgerode nach dem Tod von Fürst Wilhelm (1643-1709), dem Sohn und Nachfolger von Fürst Friedrich, wieder an Anhalt-Bernburg gefallen war, weil die Ehe Fürst Wilhelms kinderlos war. Mit dieser Erwerbung waren nun Eisenbergbau und Eisenverhüttung in einer Hand, so wie das bereits vorher bei der Silbergewinnung der Fall war. Trotzdem wurde unter Fürst Viktor die Eisengewinnung nicht wieder aufgenommen. Vielmehr wurden die Anlagen in Mägdesprung nun auch für die Silbergewinnung genutzt. Die Wasserkraftanlagen betrieben außerdem eine Papiermühle, später noch eine Mahl- und eine Ölmühle. 1729 wurde dann die gesamte anhaltinische Silberverhüttung im damals gegründeten Ort Silberhütte konzentriert. Erst für 1757 ist in Mägdesprung wieder eine Verhüttung von Eisen belegt. 1765 übernahm Fürst Friedrich Albrecht von Anhalt-Bernburg die Regierung und verlegte den Regierungssitz nach Ballenstedt. Die direkte Einflussnahme durch den Fürsten machte sich in einem Aufschwung in Mägdesprung bemerkbar. 1769 entstand das "Neue Werk" im heutigen Ortsteil Drahtzug. Damit wurden nun nicht nur Halbfabrikate, sondern auch Endprodukte, wie Beile, Pflugscharen, Hämmer, Gewehrläufe usw., erzeugt. Etwa 1780 setzte durch bessere Erze aus der Grube Tilkerode eine Blütezeit der Verhüttung ein, die einen Ausbau der Hütte erforderlich machte: 1780 entstanden der I. und der II. Friedrichshammer mit je einem Frischfeuer, 1782 folgte der III. Friedrichshammer mit Blauofen, Frischfeuer und Schwarzblechhammer, sowie ein Stahlhammer zwischen dem Neuen Werk (Drahtzug) und Mägdesprung. 1786 wurde dann der IV. Friedrichshammer mit einem Frischfeuer gegründet. Der Absatz der zahlreichen Produkte erfolgte über ein ausgedehntes Niederlagensystem. In dieser Blütezeit wurde 1782 das Verwaltungsgebäude auf den Grundmauern eines früheren Gebäudes gebaut. 1796 übernahm Fürst Alexius Friedrich Christian (1765 – 1834) die Regierung. Er setzte nun Hüttenbeamte ein, als ersten den Oberbergrat Johann Friedrich Schlüter, der das Amt von 1797 bis 1819 ausübte.

Obelisk 1809 wurde ein Hochofen errichtet, der u.a. die Voraussetzung für die Errichtung des berühmten Mägdesprunger Obelisk war. 1806 erhielt Alexius Friedrich Christian von Anhalt-Bernburg die Herzogwürde. Die Hütte nannte sich nun "Herzogliche Eisenhütte Mägdesprung". In dankbarer Erinnerung an seinen Vater, Fürst Friedrich Albrecht von Bernburg-Anhalt, ließ Herzog Alexius 1812 den Obelisk errichten, der fortan das Gesicht von Mägdesprung prägte, auf unzähligen Stichen dargestellt wurde und damit Mägdesprung in Europa bekannt machte.
1820 folgte als Nachfolger Schlüters der Bergmann und Mineraloge Johann Ludwig Carl Zincken. Er schuf die Voraussetzungen, dass 1821 der Kunstguss aufgenommen werden konnte. 1825/27 wurde ein Fabrikgebäude gegenüber dem Verwaltungsgebäude, die heutige "Alte Fabrik", gebaut, 1828 ein Wohnhaus für den Direktor Zincken. Nach wie vor war aber der Maschinenbau der Schwerpunkt, was auch im Bau des Carlswerkes (1827) und der Neuen Maschinenfabrik (1929) zum Ausdruck kam. Es gab nun einen Maschinenmeister und einen Hüttenmeister (von 1844 bis 1863 war das Carl Bischof, der Mitbegründer des Vereins Deutscher Ingenieure, der 1856 in Alexisbad vom Akademischen Verein HÜTTE gegründet wurde). 1834 starb Herzog Alexius Friedrich Christian, der stets persönlichen Einfluss auf die Hütte nahm Das war unter seinem Sohn Alexander Carl (1805 – 1863), der wegen seiner körperlichen und geistigen Schwächen mit einem Geheimen Konferenzrat regierte, kaum der Fall. 1855 besserte sich dies jedoch, als seine Frau, die Herzogin Friedericke, Mitregentin wurde. Sie nahm besonders auf den Eisenkunstguss Einfluss und förderte den damals schon bekannten Modelleur Johann Heinrich Kureck, der sich besonders durch seine Tierplastiken einen Namen machte. 1863 starb Herzog Alexander Carl. Anhalt-Bernburg fiel an den Herzog Leopold IV. Friedrich von Anhalt-Dessau, der das gesamte Anhalt zum Herzogtum Anhalt vereinte. Er übernahm auch die Bergwerke und Hütten im anhaltinischen Harz. Um mehr Einfluss nehmen zu können, ließ er sich das 1828 erbaute Direktorenwohnhaus einrichten, das fortan das "Palais" war. 1871 starb Herzog Leopold IV. Friedrich, sein Nachfolger wurde Herzog Friedrich I. Unter seiner Regierung wurde 1872 die schon lange angestrebte Trennung von Haus- und Landesvermögen vollzogen. Die Berg- und Hüttenwerke und das Stahlbad Alexisbad gingen in den Besitz des Landes Anhalt über, das diese sogleich wieder verkaufte. Nach einigen Besitzerwechseln aus mehr spekulativen Gründen, bildete sich 1873 eine Aktiengesellschaft. Sie firmierte unter dem Namen "MÄGDESPRUNG – NEUDORF Eisen- & Silberhüttenbergbau Aktien Gesellschaft" und umfasste alle anhaltinischen Gruben und Hütten und Alexisbad. 1875 erfolgte die letzte eigene Eisenverhüttung. Danach wurde in Mägdesprung nur noch Fremdeisen verarbeitet. 1879 wurde diese Gesellschaft an Berliner Geschäftsleute verkauft. Schon 1880 kaufte von diesen der Harzgeröder Holzhändler und spätere Kommerzienrat Traugott Wenzel die Eisenhütte für 406.000 Taler. Ab 1882 hieß diese dann "MAEGDESPRUNGER EISENHÜTTENWERK von T. Wenzel". Maschinenbau und Kunstguss arbeiteten recht rentabel. Dies verbesserte sich dann noch 1887 mit dem Bau der Schmalspurbahn, der heutigen Selketalbahn, da sich die Transporte wesentlich verbilligten. 1898 überführte T. Wenzel den Besitz in eine Aktiengesellschaft, die Direktion übernahm sein Schwiegersohn Alfred Baentsch, die Firma hieß nun "MAEGDESPRUNGER EISENHÜTTENWERK AG vorm. T. Wenzel".

So etwa ab 1910 verzeichnete der Eisenkunstguss seinen Niedergang. Als Folge davon wurde die Hütte 1917 an die "Harzgeröder Maschinenfabrik GmbH", in der Dr. Max Horn die Aktienmehrheit besaß, verkauft. Im gleichen Jahr bildete Dr. Max Horn mit dem Kommerzienrat Wilhelm Meyer eine Aktiengesellschaft. Es entstand die "MÄGDESPRUNGER EISENHÜTTENWERK GmbH MÄGDESPRUNG". Nach dem Tod von W. Meyer übernahm Dr. Max Horn alle Anteile. Wirtschaftliche Probleme und Auseinandersetzungen mit dem NS-Staat, die sogar zu seiner kurzzeitigen Inhaftierung führten,trieben Dr. Max Horn am 5. Mai 1937 in den Freitod.Sein Sohn, Carl Horn war der Alleinerbe. Neben den üblichen Hüttenerzeugnissen wurden in den 1940er Jahren im großen Raum der Alten Fabrik Zulieferteile für die Gasgeräteproduktion der Junkerswerke Dessau gefertigt. Im April 1945, beim Einmarsch der Amerikaner, brannte das Modellhaus an der Selke mit seinem kulturhistorisch so wertvollen Bestand an Maschinen- und Kunstgussmodellen ab. Nach der Besetzung durch sowjetische Truppen stand das Eisenhüttenwerk durch die sowjetische Militäradministration unter Sequester, kam aber schon 1946 wieder in den Besitz von Carl Horn, als festgestellt wurde, dass die Zulieferprodukte für Junkers nicht "kriegswichtig" waren. Die Produktion wurde von behördlicher Seite auf Gasgeräte und Herde beschränkt. 1959 wurde, gezwungenermaßen, die "Eisenhütte Mägdesprung Carl Horn KG" unter staatlicher Beteiligung gegründet. 1972 musste Carl Horn schließlich das Werk verkaufen, es entstand der "VEB Gas- und Heizgerätewerk Mägdesprung". Versuche die Tradition des Eisenkunstgusses wieder aufzunehmen, scheiterten aus Geldmangel. Die historischen Gebäude verfielen, wurden teilweise umgebaut und sogar abgerissen, wie 1982 das Carlswerk. Die wertvolle Kunstgusssammlung von Carl Horn, die schon sein Vater angelegt hatte, von Carl Horn aber leidenschaftlich vervollständigt wurde, blieb im Besitz der Familie Horn. Sie musste nach dem Tod von Carl Horn 1972 durch seine Witwe Hilde Korn an das Museum Schloss Allstedt verkauft werden, weil von der damaligen Leitung des Volkseigenen Betriebes die von der Familie Horn bisher genutzten Räume im Verwaltungsgebäude, in denen die Exponate präsentiert wurden, für die betrieblichen Erfordernisse zur Verfügung gestellt werden mussten. Im Schloss Allstedt wird sie als "Sammlung Horn" verwaltet und teilweise gezeigt. Etwa 40 Stücke sind als Leihgabe im Wehrgang des Schlosses Harzgerode ausgestellt.

Nach der Deutschen Einheit, wurde das Werk an die Familie Horn rückübertragen. Es bildete sich die kleine Firma "Mägdesprunger Eisenhüttenwerk GmbH Gas- und Kochgeräte", deren Produktion aber immer weiter zurückging. Eigentümer und Gesellschafter waren die beiden Töchter von Carl Horn, sowie Hans-Helmut Fechner, als geschäftsführender Gesellschafter. Die Last des Erhalts der historischen Gebäude der alten Eisenhütte und die gesellschaftliche Verantwortung für die Werterhaltung dieses bedeutenden Industriedenkmals ruhte nun auf den Schultern der Eigentümer, der sie aber wegen der hohen Kosten nur ungenügend nachkommen konnten. Das verbesserte sich auch nicht nach dem späteren Verkauf des Verwaltungsgebäudes, des Stahlhammers und der beiden Wohnhäuser am III. Hammer, als sich die finanzielle Situation verbessert haben dürfte.
In der Neuen Maschinenfabrik konnte sich bis 1991 eine eingeschränkte Produktion auf dem Gebiet des Sondermaschinen- und Werkzeugbaus und auf dem Reparatursektor halten.
Danach wurde sie "abgewickelt". Die Stadt Harzgerode pachtete von den Eigentümern das Gelände des ehemaligen Carlswerkes und das Gebäude der ehemaligen Maschinenfabrik mit den sich darin befindlichen Maschinen und Ausrüstungen zur dauerhaften Nutzung für das öffentliche Gemeinwohl. Es begannen denkmalpflegerische Maßnahmen zum Erhalt der historischen Maschinen und Werkstätten. Seit 9.9.2002 befindet sich im Gebäude der Neuen Maschinenfabrik das Museum "Carlswerk", das vom Kultur- und Heimatverein Harzgerode und der Stadtinformation Harzgerode betreut wird. 2010, kurz vor der letzten Versteigerung, nahm die Stadt Harzgerode ihr Vorkaufsrecht wahr und kaufte das Museum mit den darin enthaltenen Maschinen und das Umfeld mit der Alten Schmiede.

In der alten Eisenhütte setzt sich der Verfall progressiv fort:
Im ehemaligen Verwaltungsgebäude, das 2007 versteigert wurde, haben Vandalen und Schrottdiebe alle Gussteile des schönen und kulturhistorisch wertvollen Treppengeländers, die 1997 restaurierte Turmuhr und auch die in Mägdesprung gegossene Turmuhrglocke geraubt.
Die Zwischendecken sind teilweise schon eingestürzt, alle Schränke aufgerissen und die noch vorhanden Akten zerstört. Das kulturhistorisch wertvolle Gebäude von 1781 wird nun mit hoher Wahrscheinlichkeit "denkmalgeschützt" verfallen. In einer zweiten Versteigerungsauktion im Dezember 2010 wurde der Rest der alten Eisenhütte veräußert. Der neue Besitzer hat schon geäußert, dass er eigentlich kein Interesse hat und die Gebäude wohl wieder veräußern wird.
Die Stadt konnte und wollte nicht von ihrem Vorkaufsrecht für die Alte Fabrik Gebrauch machen, sondern kaufte, auf Intervention des Eisenhüttenvereins hin, nur das Gelände mit den berühmten Hirschgruppen. Für das Gebäude der "Alten Fabrik" hatte die Stadt Harzgerode mit den vorherigen Besitzern einen Pachtvertrag abgeschlossen, der auf den neuen Besitzer übergegangen ist.
Der Eisenhüttenverein hat mit der Stadt einen Nutzungsvertrag. Die Pläne, dort ein "Begehbares Technisches Denkmal" werden auch jetzt nicht realisierbar sein, da sich an den grundsätzlichen Besitzverhältnissen nichts geändert hat, so dass Fördermittel nicht zu erwarten sind. Das Direktorenwohnhaus und das Alte Labor, bzw. das Magazin, sind, zusammen mit der Alten Fabrik, die Gebäude, die den zentralen Hüttenplatz dominieren. Auch sie wurden versteigert, ebenso wie die kleineren, noch bewohnten Wohnhäuser, in denen früher der Bäcker und der Krämer wohnten. Ihre Zukunft ist völlig ungewiss. Die alte Gießhalle ist inzwischen vollständig, die Formerei und die meisten Werkstätten auf dem Betriebsgelände sind schon fast zusammengefallen. Kulturhistorische Gießereiwerkzeuge und -vorrichtungen konnten nur zu einem geringen Teil geborgen werden. Das meiste davon ist zerstört, wurde verkauft oder verschrottet.
Zwei Kupolöfen, die 1960 gebaut wurden, sind zwar noch vorhanden, aber ihr kulturhistorischer Wert ist nicht so bedeutend.

Ehemaliges Verwaltungsgebäude, Zustand 2007 Die Alte Fabrik, erbaut 1825 bis 1827, Zustand 2007 Das Direktorenwohnhaus, erbaut 1828, Zustand 2007

Das Debakel um die Eisenhütte Mägdesprung, in deren Bereich sich 40 Einzeldenkmale befinden, die in der Denkmalliste des Altkreises Quedlinburg aufgeführt waren, führt zu der Frage:

Wie ist es möglich, dass in der Zeit nach der Wende, der Staat, das Land Sachsen-Anhalt,
der Landkreis und die Stadt Harzgerode es zulassen konnten, dass dieses Industriedenkmal nationaler Bedeutung von den Eigentümern nicht bewahrt und schließlich an Spekulanten verkauft wurde, ohne dass Gesetze diese offensichtlich spekulativen Machenschaften verhindern, und ohne dass Auflagen des Denkmalschutzes den Verfall aufhalten konnten?

Zwei Vereine, der Förderverein "Eisenhütte Mägdesprung 1646", der in den 1990er Jahren tätig war und unser Eisenhüttenverein konnten diese kulturhistorische Schandtat trotz hohen persönlichen Engagements nicht verhindern. Der Heimat- und Kulturverein Harzgerode und der Eisenhüttenverein Mägdesprung haben vor der letzten Versteigerung eine gemeinsame Petition an die damalige Kultusministerin, Frau Prof. Wolf, des Landes Sachsen-Anhalt eingereicht, in der, untersetzt durch umfangreiches Informationsmaterial, die Hütte als ein Industriedenkmal nationaler Bedeutung hervorgehoben und beschrieben wurde. Wir baten um Hilfe und Unterstützung. Die einzige Reaktion des Kultusministeriums war die dürre Eingangsbestätigung einer Sekretärin!
Noch könnten die drei wertvollen Gebäude erhalten, bzw. wieder instand gesetzt werden,
wenn sich die neuen Besitzer ihrer Verantwortung für das übernommene Kulturgut bewusst würden und sie bei der Instandsetzung und Werterhaltung die erforderliche Unterstützung erhielten. Gelingt das nicht, bliebe von der Eisenhütte in Kürze nur das Museum "Carlswerk",
die Hirschgruppen und der Obelisk, die sich im Besitz der Stadt Harzgerode befinden.
Außerdem existieren noch die Dependancen der Eisenhütte, die auf einer Länge von etwa 5 km an der Selke liegen und auf die hier noch kurz eingegangen werden soll:
Das 1769 gegründete "Neue Werk" wurde 1787 eine Drahtzieherei, die bis 1842 arbeitete und dann eingestellt und abgerissen wurde. Auf dem Gelände entstand später das "Forsthaus Drahtzug",
das bis 1993 genutzt wurde. Danach wurde es an einen privaten Besitzer verkauft, der es inzwischen liebevoll restauriert hat und das Umfeld mit historischem Sachverstand pflegt.
Weitere Informationen unter www.forsthaus-drahtzug.de.
Vom "Stahlhammer", der 1882 gegründet wurde, sind heute nur noch einige Mauerreste zu sehen. Er wurde bis 1887 als Blankschmiede für Äxte, Sensen, Pflugschare usw., dann bis 1896 als Kettenschmiede und Feilenhauerei genutzt und danach abgebrochen. Das erhalten gebliebene große Wohnhaus wurde 2007 an ein junges schottisch/australisches Ehepaar verkauft, das dort Ferienwohnungen einrichten möchte. Die beiden gegenüber liegenden kleineren Häuser befinden sich in Privatbesitz.

Unterhalb der alten Eisenhütte und des Carlswerkes liegen die 4 Friedrichshämmer, die zum Ende des 18. Jahrhunderts entstanden waren. Der I. Friedrichshammer liegt unmittelbar unterhalb des Carlswerkes. Heute sind noch 3 private Wohnhäuser und Reste der Produktionsgebäude und der alten Wasserführungen zu sehen. Etwa 100 m selkeabwärts ist noch der Austritt der alten Wasserführung in die Selke erhalten. Vom II. Friedrichshammer sind heute noch zwei kleine Wohngebäude in Privatbesitz erhalten. Auch hier deuten nur noch die Reste der alten Wasserführungen auf die damalige Nutzung hin. 1842 wurde dort noch eine Achsenschmiede eingerichtet, die dann 1852 ihren Betrieb einstellte. Auch vom III. Friedrichshammer sind nur noch drei kleine Wohnhäuser in Privatbesitz übrig geblieben. Unterhalb davon sind noch die Reste eines Wehrs in der Selke zu sehen, das die Wasserversorgung für das Wasserrad sicherstellte. Bevor damals der III. Hammers errichtet wurde, stand an dieser Stelle bereits eine Mühle. Oberhalb des III. Hammers sehen wir die beiden markanten Wohnhäuser für die Hüttenarbeiter, die, zusammen mit den, etwa 1827 entstandenen neuen Gebäuden der Hütte, einen typischen Hüttenbaustil der damaligen Zeit prägen, der durch die Eisenhütte Mägdesprung maßgeblich beeinflusst wurde. Die beiden Wohnhäuser wurden bereits 2007 versteigert. Die heutige Besitzerin wohnt nun selbst dort und bemüht sich um den Erhalt dieser kulturhistorisch wertvollen Häuser.
Pilgerkapelle auf dem Friedhof am 3. Friedrichshammer mit Glocke und gusseisernen Grabkreuzen In der Nähe dieser Wohnhäuser befindet sich der kleine Friedhof von Mägdesprung mit einigen wenigen noch vorhandenen gusseisernen Grabkreuzen und Grabtafeln der Hüttenarbeiter. An der Friedhofmauer steht ein gusseisernes Epitaph, das an das Hochofenunglück von 1842 erinnert, bei dem 5 Hochofenarbeiter ums Leben kamen. Die Friedhofkapelle konnte, dank der Hilfe eines Spenders aus dem Schwarzwald, der in Mägdesprung aufgewachsen war, 2007 renoviert und als Pilgerkapelle geweiht werden. 2010 spendete derselbe Spender dem Friedhof noch eine Glocke, die nun jeden Abend um 18:00 Uhr geläutet wird. Etwa 3 km selkeabwärts liegt schließlich der IV. Friedrichshammer, 1784 gegründet und zuletzt eine Schwarzblechschmiede, mit drei Häusern in Privatbesitz. Dort befindet sich heute der "Selketaler Waldgasthof" der Familie Klock, der einen Besuch lohnt.

1) Eine freie Übersetzung dieses Vertrages ist auf der Website des Museums "Carlswerk" einzusehen.

Quellen:
Paul Schmidt, Die Geschichte der Eisenhütte unterm Mägdesprung, herausgegeben vom Eisenhüttenverein Mägdesprung Carl Bischof e.V., 2008, 272 Seiten

Mathias Reichmann, Die Eisenhütte unterm Mägdesprung, herausgegeben vom Eisenhüttenverein Mägdesprung Carl Bischof e.V., Leipzig 2010

Wolfdieter Ludwig, Die Eisenhütte Mägdesprung – ein Industriedenkmal nationaler Bedeutung, "Mägdesprunger Hefte", Nr. 3, Mägdesprung 2009



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