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Friedrich von Anhalt-Bernburg-Harzgerode

Friedrich von Anhalt

Geburtsstunde Anhalts ist das Jahr 1212, das Todesjahr von Bernhard I. (1140-1212, Sohn von Albrecht der Bär). Er hinterließ seinem ältesten Sohn Heinrich I. die anhaltischen Stammlande. Der nannte sich nun Fürst von Anhalt und gilt als Stammvater des Askaniergeschlechts. Nach einigen Teilungen wurde um 1500 aus den Teilstaaten wieder Anhalt, um schon nach dem Tode von Joachim-Ernst (1536-1586) wieder unter seine fünf Söhne aufgeteilt zu werden. Es entstanden die Fürstentümer Anhalt.Bernburg, Anhalt-Dessau, Anhalt.Köthen, Anhalt-Plötzkau und Anhalt-Zerbst.

 

Christian I. (1568-1630), der zweite Sohn, erhielt Anhalt-Bernburg. Er heiratete Anna Gräfin von Bentheim-Tecklenburg (1579 – 1624). Kurz vor seinem Tod verfügte er, dass Anhalt-Bernburg nicht weiter zu teilen sei, sondern unter der Regie des ältesten Sohnes Christian II. (1599-1656), zusammen mit seinem Bruder Friedrich , der am 16.11.1613 als 13. Kind von 16 Kindern in Ensdorf/Oberpfalz geboren wurde, als „brüderliches Kollektiv“ gemeinsam regiert werden solle.

 

Kaum war jedoch Friedrich mit 21 Jahren im „vogtbaren Alter“, erhob er Anspruch auf ein eigenes Fürstentum. Mit großem Unbehagen stimmte Christian II. schließlich zu und es entstand eine weitere anhaltische Nebenlinie auf dem Territorium Anhalt-Bernburgs.

 

Friedrich von Anhalt-Bernburg-Harzgerode, Fürst zu Anhalt, Graf zu Askanien, Herr zu Bernburg und Zerbst, erhielt 1835 die Ämter Harzgerode und Güntersberge mit dem Schloss Harzgerode als Wohn- und Regierungssitz. Mit der Regierung war der junge Fürst jedoch völlig überfordert: Der Dreißigjährige Krieg war noch in vollem Gange und in den Städten Harzgerode und Güntersberge herrschten wegen gerade erlittener Feuersbrünste chaotische Verhältnisse. So zog er es 1636 vor, zunächst einmal ein paar Jahre auf Reisen zu gehen und die Regierungsgeschäfte seinem Bruder Christian II. zu überlassen.

 

1841 wurde er vom Fürstenrat Anhalts aufgefordert, zurückzukehren und seine Regierungsaufgaben nun endlich wahrzunehmen, da die Kriegslasten immer drückender wurden. Durch seine guten militärischen Beziehungen (er war u.a. Generalmajor im Dienste von Wilhelm V. von Hessen-Kassel) konnte er dann auch einiges zur Minderung von Kontributionen und anderen Kriegsbelastungen beitragen.

1642 heiratet Friedrich die 23jährige Johanna-Elisabeth von Nassau-Hadamar (1619-1647). Sie gebiert ihm 1643 den Erbprinz Wilhelm (1643-1709) und 1646 die Tochter Anna-Ursula, die aber 1647 schon wieder starb. Im gleichen Jahr starb auch die Fürstin Johanna-Elisabeth an den Folgen der Geburt der 2. Tochter Elisabeth-Charlotte.

 

Ein Jahr vorher, im November 1646, hatte Fürst Friedrich gemeinsam mit dem Quedlinburger Kaufmann Johann Heydtfeld die „Eisenhütte unterm Mägdesprung“ gegründet. Der Kaufman gab das Geld, der Fürst lieferte das Bauholz und frondienstpflichtige Arbeitskräfte für den Bau auf dem Gelände einer alten Mühle in Mägdesprung.

 

1647 legten die Brüder Christian und Friedrich einen alten Streit um die Regierung bei. In einem Vergleich wurde die Unabhängigkeit von Bernburg und die Selbständigkeit des Fürstentums Harzgerode vereinbart. Anstelle einer jährlichen Summe, die bisher „zur Komplettierung der Erbportion“ gezahlt wurde, erhielt Friedrich aus dem Besitz seines Bruders Vorwerk und Dorf Radisleben mit allen Einkünften.

 

Nachdem das geregelt war, gab er seinen Sohn in die Obhut seines Vetters, dem Fürst Casimir von Anhalt-Dessau, die neugeborene Tochter in die Obhut ihrer Tante, der Gräfin von Nassau-Dillenburg und sein Fürstentum wieder in die Obhut seines Bruders Christian II. und begab sich wieder auf Reisen. Erst im November 1856 kehrte er nach neun Jahren wieder zurück nach Harzgerode und verblieb nun bis zu seinem Tode im heimatlichen Anhalt.

 

1657 verheiratete sich Fürst Friedrich mit der damals 45jährigen Gräfin Anna Katharina von Lippe, die aber bereits zwei Jahre später verstarb. 1663 konnte er seine damals 16jährige Tochter mit seinem 25jährigen Cousin Fürst Wilhelm Ludwig von Anhalt-Köthen verheiraten.

 

Das darniederliegende Berg- und Hüttenwesen erfuhr in seiner Regierungszeit keine Belebung mehr; im Gegenteil, die Eisenhütte unterm Mägdesprung verschuldete sich unter wechselnden Besitzern immer mehr. Daran änderte auch der 1662 erfolgte Bau des ersten Hochofens nicht viel. Die 1538 zugesagten Freiheiten und Vergünstigungen, die damals viele Bergleute nach Harzgerode zogen, waren längst vergessen und aufgehoben. An sie erinnerte nur noch der Name „Freiheit“ für die kleine Siedlung, die damals außerhalb des Mauerringes angelegt wurde und demzufolge im Dreißigjährigen Krieg besonders zu leiden hatte.

 

Inzwischen waren von Friedrichs ursprünglich 15 Geschwistern, bis auf zwei verwitwete Schwestern, alle verstorben; auch 1856 sein Bruder Christian II.. 1665 starb sein Schweigersohn Wilhelm Ludwig von Anhalt-Köthen kinderlos, womit die Köthener Linie ausgestorben war. Durch Erbregelung fiel das Amt Plötzkau an Anhalt-Bernburg, und damit zur Hälfte an Friedrich in Harzgerode und zur Hälfte an Viktor Amadeus, dem Nachfolger Christian II.. Friedrich einigte sich mit seinem Vetter darauf, dass er das gesamte Amt Plötzkau bekam und Viktor Amadeus dafür Dorf und Vorwerk Radisleben erhielt. 1669 kam durch weitere verwickelte Erbteilung noch das Stift Gernrode mit der Stadt Gernrode und dem Dorf Frose zum Amt Harzgerode. Wegen des größeren Verwaltungsaufwandes hatte nun ein Regierungsrat seinen Sitz in Harzgerode. Da Friedrich von Anhalt-Harzgerode seit 1661 auch Senior des Gesamthauses Anhalt war, war somit Harzgerode für fast ein Jahrzehnt das politische Zentrum Anhalts. [2]

 

"Serenissimus Durchlaucht Friedrich Fürst zu Anhalt, Graf zu Askanien, Herr zu Bernburg und Zerbst, Senior und Ober-Direktor (in Gesamt-Anhalt) verstarb am 30. Juni 1670 um 6 Uhr früh zu Plötzkau im Alter von 56 Jahren, 7 Monaten und 14 Tagen nach einer Regierungszeit von 36 Jahren und 6 Monaten"[2]. Am 7. Juli fand die Beisetzung in der Harzgeröder Kirche statt. In dem Totengewölbe vor dem Altar, das ein Jahr später endgültig geschlossen wurde, lag er neben seinen beiden Frauen und der als Kind verstorbenen ersten Tochter.

 

Fürst Friedrich war, dank seiner Reisen, ein gebildeter Mensch, der außerdem sehr fromm und streng gottgläubig war. Er war ein fürsorglicher und strenger Vater, der seinem Sohn eine ausgezeichnete Erziehung vermittelte. "Besondere Verdienste bei der Entwicklung seines Fürstentums können ihm - insgesamt gesehen - nicht zuerkannt werden!" [1]


Quellen:

[1] Rockstedt, G., Die anhaltischen Fürsten Friedrich und Wilhelm und ihre „Gastrolle“ in Harzgerode
von 1734 bis 1709, Unser Harz, 2006, Nr.10, 183-188.
[2] Börner, K-H., Fürsten, Bürger und Betrüger – Residenzstadt Harzgerode 1635 bis 1709,
Druckerei Krebs Harzgerode, 2001