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Wilhelm von Anhalt-Bernburg-Harzgerode (1643 – 1709)

Wilhelm von Anhalt-Bernburg-Harzgerode

Wilhelm von Anhalt-Bernburg-Harzgerode, Fürst zu Anhalt, Graf zu Askanien, Herr zu Bernburg und Zerbst wurde am 18.8. 1643 in Harzgerode als erster Sohn von Fürst Friedrich von Anhalt-Bernburg-Harzgerode (s. dort) und dessen erster Ehefrau Johanna-Elisabeth von Nassau-Hadamar (1619 - 1647) geboren.

 

Nach dem frühen Tod seiner Mutter, begab sich sein Vater, der Fürst Friedrich, auf eine 9-jährige Reise durch Europa. 

 

Sein Fürstentum gab Friedrich in die Hände seines Bruders Christian II. und seinen Sohn Wilhelm in die Obhut seines Cousins Johann Casimir Fürst von Anhalt-Dessau (1596-1660). Am Dessauer Hof bekam Wilhelm in den folgenden sechs Jahren unter der Aufsicht des Präzeptors (Erziehers) Gottlieb Christian Nüßler eine umfassende Bildung vermittelt.

 

Als Siebzehnjähriger, also 1660, begab er sich auf die, für den Hohen Adel obligatorische Kavalierstour durch Europa, die dazu diente, die höfischen Umgangsformen zu verfeinern. Fürst Friedrich gab seinem Sohn ein kleines, von ihm selbst verfasstes Büchlein mit dem Titel "Monita paterna" ("Väterliche Ermahnungen") mit auf den Weg. Einem der darin enthaltenen Ratschläge folgend, besuchte er auch die Universität in Köln.

 

Als er sich 1670 in die Dienste des Kurfürsten von Brandenburg begeben wollte, starb sein Vater und er musste die Regierung des kleinen Fürstentums übernehmen. Er setzte den von seinem Vater begonnenen Wiederaufbau des Landes fort. 1682 gründete er das Vorwerk Wilhelmshof in der Nähe der Burg Anhalt und 1688 die Neustadt bei Harzgerode, die 1705 nach seiner zweiten Frau Augustenstadt genannt wurde. Diese neue Vorstadt erhielt kurz darauf unerwartet starken Zuzug, weil es kurzzeitig zu einer Blüte des Bergbaus im Unterharz kam.

 

1691 verpachtete der Fürst alle Bergwerke in seinen Ämtern an zwei Privatunternehmer, die als kurfürstlich-brandenburgische Räte einen guten Leumund zu haben schienen. Bei ihnen handelte es sich um Jean de Smeth und seinen Schwager Josia von Rheden, die aus holländischen Familien stammten. Alle anfallenden Kosten lagen bei den Gewerken, die Inhaber der Kuxe (Anteilsscheine) waren und die dafür zunächst von Zubußen (Zuzahlungen) befreit waren. Im März 1692 unterzeichneten auch die übrigen anhaltischen Fürsten den Vertrag und ein neues Bergamt wurde in Harzgerode eingerichtet. Es zeichnete sich eine positive Entwicklung des Bergbaus ab: Während das Bergamt zunächst über sechs Gruben die Aufsicht führte, waren es Ende 1692 bereits 37 Zechen. 1693 entstand im heutigen gleichnamigen Ortsteil von Harzgerode eine Silberhütte, in der das Silber gewonnen wurde, das größtenteils in der neuen Münzstätte, die im Gitteldschen Hof in Harzgerode eingerichtet worden war, gemünzt wurde.

 

Nach anfänglichen Erfolgen erwies sich der Bergbau bald als Fass ohne Boden. Smeth und Rheden bereicherten sich schamlos, indem sie im großen Stil Gelder unterschlugen. Sie brachten das Bergamt unter ihre Kontrolle, fälschten die Bilanzen und betrogen wo sie konnten. Finanzielle Zuschüsse durch die Anteilseigner als auch seitens des Fürsten verschwanden in die Taschen der beiden Unternehmer. Der Ruin war folglich unabwendbar. 1698 waren nur noch zwei Gruben belegt. Neben den betrügerischen Aktivitäten Smeths und Rhedens dürften aber auch die geologischen Bedingungen ursächlich für den Misserfolg des Bergbaus gewesen sein.

 

Die Auswirkungen des Ruins der Bergwerksgesellschaft hatten für die Region verheerende Folgen, "...die Wohlfahrt vieler hundert Menschen, darunter vieler Wittwen und Waysen hanget daran", wie es in einem zeitgenössischen Bericht über den Prozess gegen die Bergwerksgesellschaft hieß [2]. Das Berg- und Hüttenwesen hat sich während der Regierungszeit des Fürsten Wilhelm von diesem Misserfolg nicht mehr erholt.

 

1696 ordnete Fürst Wilhelm wegen akuter Baufälligkeit den teilweisen Abriss der St. Marienkirche in Harzgerode an. Bereits drei Jahre später war der Neu- und Umbau der barocken Predigtkirche fertiggestellt, die fortan auch als Hofkirche diente. In drei Emporen konnten nun die vielen zugezogenen Bergleute dem reformierten Gottesdienst beiwohnen. Den prachtvollen Fürstenstuhl schmücken die Bildnisse des Fürsten Wilhelm und seiner beiden Ehefrauen.

 

Am 27.7.1671 vermählte sich Fürst Wilhelm in Laubach mit Elisabeth Albertine von Solms-Laubach (1635-1693), Tochter des Grafen Albert Otto II.. Nachdem diese 1693 gestorben war, heiratete er am 27.10.1695 auf Schloss Frederiksborg bei Kopenhagen Sophie Auguste von Nassau-Dillenburg (1666-1733). Beide Ehen blieben kinderlos.

 

"In der Nacht zum 23. November 1709, noch einmal am 29. des gleichen Monats und schließlich am 7. Dezember hatte der Harzgeröder Diakon, Emanuel Philipp Paris, angeblich eine Erscheinung, die ihm den Tod des 66-jährigen Fürsten innerhalb der nächsten drei Wochen weissagte. Die Visionen des Diakons erregten in ganz Deutschland Aufsehen. Theologen debattierten über Paris' Erlebnisse und Gutachten wurden erstellt. In Harzgerode ging man jedoch davon aus, dass Paris Opfer eines Spaßes geworden war. Humbug oder nicht - drei Wochen nach der ersten Vision des Diakons starb Fürst W. Da W. keine Leibeserben hatte, fiel mit seinem Tode das Fürstentum Harzgerode nach 74-jährigem Bestehen zurück an Anhalt-Bernburg" [1].

 

Der Fürst wurde in einem prachtvoll gestalteten Metallsarkophag neben seiner ersten Frau in einer Gruft in der Basis des Kirchturmes bestattet, die beim Neubau der Kirche für ihn geschaffen worden war. Nach dem Albertine 1693 gestorben war, hatte er ein Bild von sich und ihr in Überlebensgröße auf Kupferblech anfertigen lassen, das zuerst in der Gruft hing und ab etwa 1900 an der Westwand des Kirchenraumes hängt. 2010 wurde es restauriert.

 

Wilhelm von Anhalt 2

Wilhelm von Anhalt 3


Quellen:

[1] Regina-Bianca Kubitschek, Wilhelm von Anhalt-Bernburg-Harzgerode in Biographisches-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band XXXII, Spalten 490 – 494
[2] Karl-Heinz Börner, Fürsten, Bürger und Betrüger, Harzgerode 2001
[3] Wilhelm von Anhalt-Bernburg-Harzgerode in Wikipedia
Fotos: Raymond Faure in "Der Harz– 100.000 Bilder" - www.raymond-faure.com